Demokratie ist nicht perfekt, aber sie ist die einzig richtige Regierungsform.

Im Jahr 1897 formuliert der britische Intellektuelle J. Holland Rose folgenden Satz:

„(Democracy is) a method of government, desirable on the whole, liable to grave abuse in some respects, and clearly open to many improvements.“ (in: The Rise of Democracy, 2. Auflage, London, 1898, 157).

Die Demokratie sei, so Rose, eine Methode der Regierungsführung, die insgesamt erstrebenswert sei, aber gleichzeitig zu schweren Missbräuchen neige und auf jeden Fall auf viele Art verbesserungswürdig sei.

Liest man das Zitat von hinten, so ist zuerst festzuhalten, dass Demokratie nie fertig ist. Demokratie ist immer ein Projekt, nie ein fester Zustand. Kein demokratisches politisches System kann von sich behaupten, die perfekte Demokratie etabliert zu haben. Demokratie muss immer an sich arbeiten. Und die in der Demokratie handelnden Akteure müssen ebenso immer an sich arbeiten. Zum einen zur Verteidigung der Demokratie vor ihren Feinden. Zum anderen aber auch zur kontinuierlichen Selbstkritik und damit auch Selbstverbessung der Demokratie und ihrer Akteure. Stillstand geht nicht.

Die real existierende Demokratie ist aber nicht nur nicht frei von Missbräuchen, sondern wird umgeben von einer ganzen Reihe von Missbräuchen, die dezidiert von der Demokratie leben: exzessiver Lobbyismus, Ämtergeschacher, die Versuchung des Populismus, Mehrheitsdogmatismus, usw. Blöde nur, wenn man sich von der Demokratie die Lösung aller Probleme erhofft, auch das Problem des schlechten Umgangs, den Menschen untereinander pflegen. Da wird man von der Demkratie dann enttäuscht und wendet sich vermeintlich besseren, anderen Regierungssystemen zu. Ein entscheidender Vorteil nämlich ist: In der Demokratie kann man offen über diese Missbräuche sprechen, sie korrigieren. In anderen Regierungssystemen ist das meist nicht möglich.

Von daher erschließt sich die Richtigkeit des ersten von Rose‘ Teilsätzen: Als Ganzes betrachtet ist die Demokratie eine erstrebenswerte Regierungsform. Ich würde zuspitzen: Sie ist von allen Regierungsformen, jene, die am erstrebenswertesten ist. Denn die Demokratie ist nicht (nur) eine Regierungsform zur technischen Herstellung von gesellschaftlichen Problemlösungen. Demokratie ist ein „way of life“. Demokratie ist die Kultivierung einer selbstkritischen, demütigen Art der kollektiven Entscheidungsfindung. In der Demokratie können prinzipiell alle teilnehmen. Alle können demokratisieren, mitbestimmen, legitimen Einfluss nehmen, auf das, was alle angeht.

Die Demokratie ist nicht perfekt, aber sie ist die einzig richtige Regierungsform. Das wusste schon J. Holland Rose am Ende des 19. Jahrhunderts.

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