Die Demut der Comic-Superhelden. Eine Radioandacht.

Kennen Sie Batman? Oder Superman? Oder Wonder Woman? Die Liste dieser
Superheldinnen und -helden des Comics und des Films ist mit den Jahren lang geworden. Wie auch die Liste der sie immer wieder herausfordernden Schurken.

Superheldinnen und -helden haben besondere Kräfte, sind verbündet mit geheimnisvollen Mächten, haben eine grandiose Ausrüstung. Bei den Schurken ist das nicht anders. Und so treffen in der Welt des Superheldentums die Guten und die Bösen immer wieder mit großem „Kawumm“ aufeinander. Vernichtungsorgien werden losgetreten. Große Reden werden geschwungen. Das Weltende tritt nahe herbei. Und wird dann aber wieder – Gott sei Dank – im letzten Augenblick abgewendet.

Personen wie Superman und Wonder Woman sind nach menschlichen Maßstäben übermächtig. Aber nicht nur das. Sie verfügen über eine wichtige Tugend. Eine Tugend, die sie davon abhält, mitsamt ihren Kräften zur dunklen Seite der Macht überzutreten: Sie sind demütig. Im entscheidenden Moment wissen die Helden, dass sie ihre eigenen Ambitionen zurückstellen müssen. Sie wissen: Es geht nicht um sie und ihre Superkräfte. Entscheidend ist nicht, was ihnen zu noch größerer Macht verhilft. Es geht um etwas viel Größeres. Es geht um das Wohl aller.

Superheldinnen und -helden müssen bereit sein, sich zu opfern, damit alle Kreaturen in einer guten Welt weiterleben können. Das unterscheidet auch die Guten von den Bösen, die Helden von den Schurken. Die Schurken frönen dem Hochmut. Die Guten aber sind demütig. Die Guten schränken sich ein, damit andere sich entfalten können.

Allzu oft müssen die Guten auch schmerzlich ihre eigene Ohnmacht erfahren; aus der sie freilich – das Drehbuch will es so – wie durch ein Wunder wieder befreit werden. An den Superheldinnen geschieht also Gnade. Sie durchleben ihren eigenen Karfreitag und ihr eigenes Ostern. (1)

Kein Wunder, dass wir sie so lieben! Die Übermächtigen, die sich so klein machen für uns! Die uns mit jedem Comic-Heft und Film neu und unter großen Opfern das Geschenk des Lebens aus den Klauen der Selbstsucht retten.

 

(1) Vgl. Siku, Batman is Jesus, London 2022, 56.

Dieser Text ist Teil einer Reihe von Morgenandachten, die vom 24. bis 29. Oktober 2022 im Norddeutschen Rundfunkt ausgestrahlt werden bzw. wurden, vgl. https://www.ndr.de/kirche/conrad162.pdf

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