Über das Ideal wissenschaftlicher Forschung und Lehre. Eine Anekdote zu Michael Th. Greven.

Im 2003 beendete ich die Arbeit an meiner Magisterarbeit unter dem Titel In-/Formale Politik. Zur Politik in der Weltgesellschaft. Da ich Mitglied der kleinen „Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung“ an der Universität Hamburg war, wurde der Text dort als Arbeitspapier veröffentlicht.

Im folgenden Wintersemester 2003/2004 sah ich mir wie üblich das Vorlesungsverzeichnis des Instituts für Politikwissenschaft an. Michael Th. Greven – zu der Zeit noch Professor für Regierungslehre, kurz vor seinem Wechsel auf die Professur für Politische Theorie & Ideengeschichte – hatte ein Seminar unter folgendem Titel im Angebot: „Informalisierung von Politik zwischen Legitimität und Effizienz“.

Passt ja wie die Faust aufs Auge, dachte ich bei mir. Kurzentschlossen marschierte ich durch die Gänge des „Pferdestalls“ zum Büro von Herrn Greven, der mir bislang nur flüchtig bekannt war. Die Tür stand auf, ich klopfte an. Michael Th. Greven saß an seinem Schreibtisch. Ich stellte mich kurz vor, sprach ihn auf sein Seminar an und drückte ihm ein Exemplar meiner Magisterarbeit in die Hand. Ich war nicht länger als fünf Minuten in seinem Büro.

Schon wenige Stunden später erhielt ich von Hr. Greven per Email – die mir leider nicht mehr vorliegt – eine Antwort. Sehr spannender Text, schrieb er, passe wirklich gut zu dem geplanten Seminar. Und: Wolle ich nicht gemeinsam mit ihm die Lehre des Seminars übernehmen. Ohne Verpflichtung bei jeder Sitzung dabei sein zu müsssen oder bei der Bewertung der Seminararbeiten mitzuwirken.

Ich war verblüfft und erstaunt ob dieser Spontanität und Offenheit. Ich nahm mit Hr. Greven Kontakt auf und stimmte der Idee zu. Wir klärten einige formale Fragen. Auf meine Anregung stellte er hier und da noch einmal den Seminarplan um und ließ das Vorlesungsverzeichnis noch um meinen Namen ergänzen – zu dieser Zeit noch ein dankbar unbürokratischer Akt. Und so veranstalteten wir im Wintersemester 2003/04 ein Co-Teaching-Seminar avant la lettre.

Soll heißen: Es braucht eigentlich nur ein bisschen Offenheit, Interesse für das Werk und die Ideen der Anderen und – nicht ganz unentscheidend –  bürokratische Flexibilität und wir kommen dem Ideal guter bzw. „exzellenter“ Forschung und Lehre an der Universität etwas näher. Das hat mich der 2012 verstorbene Michael Th. Greven gelehrt. Ich bin ihm dankbar dafür.

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