Fasten mit der fremden Feder

„Fremde Feder“ – ein Ausdruck dafür, dass jemand anderes zu Wort kommt. Nicht ich spreche. Eine andere Stimme ist zu hören. Ich selbst schweige. Ich halte mich zurück und höre zu, was andere zu sagen haben. Ich gebe der fremden Meinung Raum. So möchte ich es in den nächsten sieben Wochen bis Ostern halten. Ich gebe nicht eigene Gedanken zum Besten, sondern gebe hier wieder, was andere vorgedacht, vorgeschrieben, vorgedichtet, vorgelebt haben.  Die von mir ausgewählten Stimmen bringen natürlich auch etwas von mir selbst zur Darstellung. Ich wähle aus, was mich anspricht. Indirekt komme ich also doch zur Sprache. Aber eben nur das: indirekt. Und die indirekte Mitteilung schießt immer auch über das hinaus, was ich selbst ausdrücken könnte oder wollte.  Wer also bis Ostern sich immer wieder ein Zitat, einen poetischen Vers, einen Gedanken abholen möchte, der komme auf diese Seite zurück. Fremde Federn bereichern die Fastenzeit.

(Die neuesten Beiträge stehen jeweils an oberster Stelle.)

 

(2.3.2021)

Man kann, ohne Übertreibung fürchten zu müssen, behaupten, dass der Geist der Wahrheit vom religiösen Leben heutzutage beinahe abwesend ist. Das lässt sich unter anderem auch aus der Art der Argumente erkennen, die zugunsten des Christentums vorgebracht werden. Viele davon sind wie Reklame für Kräftigungspillen.“

(Simone Weil 2011: Die Verwurzelung, Zürich, 231)

 

(24.2.2021)

Zu laut ist die Rhetorik von Erfolg und Mißerfolg, von Sieg und Niederlage, von Wettbewerb und Ranglisten – und das auch dort, wo sie nichts zu suchen hat. Die Kultur, wie ich sie mir wünschte, wäre ein leisere Kultur, eine Kultur der Stille, in der die Dinge so eingerichtet wären, daß jedem geholfen würde, zu seiner eigenen Stimme zu finden.“

(Peter Bieri 2011: Wie wollen wir leben, München, 34)

 

(23.2.2021)

„Diesmal sei zur Einleitung nur ein Kleines über die Theologie des Alltags im allgemeinen zu sagen: Das erste ist dies: Solch eine Theologie (des Alltags, BC) darf nicht meinen, sie können den Alltag zum Feiertag machen. Laß ruhig den Alltag Alltags sein, sagt solche Theologie zuerst. (…) Das zweite aber ist dies: Die schlichte und ehrlich angenommene Alltäglichkeit birgt selber das ewige Wunder und das schweigende Geheimnis, das wir Gott und seine heimliche Gnade nennen, gerade dann, wenn sie Alltäglichkeit bleibt.“

(Karl Rahner 1965: Alltägliche Dinge, Einsiedeln, 7f.)

 

(21.2.2021)

„Perhabs/ We pirouette// Under the stars,/ Under the sun,// For a d,/ay,/ For a year,// Frenetically,/ Gravely;// And nothing then.“

(Pádraig J Daly from „Qoheleth“)

(17.2.2021)

Where shall the word be found, where will the word/ Resound? Not here, there is not enough silence/ Not on the sea or on the islands, not/ On the mainland, in the desert or the rain land/, For those who walk in darkness/ Both in the day time and in the night time/ The right trime and the right place are not here/ No place of grace for those who avoid the face/ No time to rejoice for those who walk among noise and deny the voice“

(T.S. Eliot „Ash Wednesday“)

(16.2.2021)

And it proves how remarkable a lesser light can be when a greater has departed. Here simply & naturally the moon presides- tis true she was eclipsed by the sun-but now she acquires an almost equal respect & worship by reflecting & representing him-with some new quality perchance added to his light-showing how original the disciple may be-who still in mid-day is seen though pale & cloud-like beside his master. Such is a worthy disciple-  In his masters presence he still is seen and preserves a distinct existence-and in his absence he reflects and represents him-not without adding some new quality to his light-not servile & never rival-  As the master withdraws himself the disciple who was a pale cloud before begins to emit a silvery light-acquiring at last a tinge of golden as the darkness deepens.“

(Henry David Thoreau, Journal, July 11, 1851)

 

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