Was mich Bücher über Geschichte Neues gelehrt haben!

Ich lese gerne Bücher und Essays über die Geschichte. Zugegebenermaßen lese ich dabei vorwiegend Sachbücher und unter diesen meist Bücher über Orte, Menschen, Geschehen, die mir einigermaßen nahe liegen. Die Geschichte Afrikas ist mir zum Beispiel noch völlig unbekannt.

Was erwarte ich von einem solchen Buch über die Geschichte? Ich suche darin ab und an Bestätigung. Wenn ich z.B. in einem Geschichtsbuch einen Hinweis finde, der meine Hypothese von der „Fortdauer des Heidentums“ zu bestätigen scheint, dann freut mich das.

Von einem Geschichtsbuch möchte ich aber auch Erzählungen, Details, Deutungen lesen, die mich irritieren und meine Erwartungen durchkreuzen. Ja, ich habe Vorurteile, und wie H.G. Gadamer ausführt, halte ich diese Vorurteile für den Erkenntnisprozess auch für wichtig. Diese Vorurteile müssen sich aber auch darauf einstellen, gelegentlich nicht bestätigt zu werden. Die Fakten dürfen ihnen gerne widersprechen. Bücher über Geschichte helfen mir dabei etwas Neues zu lernen über die Komplexität und Vielgestaltigkeit der Vergangenheit.

Das ist ja ein Allgemeinplatz. Daher werde ich im Folgenden konkret und nenne einige ausgewählte Bücher und Texte, die mir eine bestimmte Erkenntnis, eine besondere Idee vermittelt haben. Es sind zufällige Mosaiksteine eines historischen Gedächtnisses, das sich auf einem endlosen Weg der Vertiefung und Erweiterung befindet.

Zum Beispiel:

Von Thomas Großböltings „Der verlorene Himmel. Glaube in Deutschland seit 1945“ (2013) habe ich gelernt, dass die Glaubenspraxis in Deutschland schon lange vor der fortschreitenden Liberalisierung der Gesellschaft der 1960er Jahren am Schwinden war.

Ian Kershaw macht in „The End. Germany 1944-1945“ (2011) deutlich, dass viele Deutsche bis in die letzten Kriegstage den Terror der Nazis nicht abschütteln konnten und kaum Widerstand leisteten.

Die Existenz der Intellektuellen wird schon lange begleitet von der Klage, es gäbe keine Intellektuellen mehr. Stefan Collini schreibt hierüber mit „Absent Minds. Intellectuals in Britain“ (2006) ein sehr intellektuelles Buch.

Bei Gillian Evans „The University of Oxford. A New History“ (2010) lässt sich nachlesen, dass es in der Frühgeschichte der Universität einen dauerenden, auch handgreiflichen Streit zwischen den Universitätsangehörigen und der Stadtbevölkerung gab.

Hubert Wolf enthüllt in „Die Nonnen von Sant’Ambrogio. Eine wahre Geschichte“ (2013), wie menschlicher Makel und Verblendung im italienischen 19. Jahrhundert in der Lage war Kirchen- und Theologiegeschichte zu schreiben.

Hedwig Richter führt in ihrem Essay „Schnaps für die Wähler“ (2016) in die feucht-fröhliche und durchaus nicht immer friedliche Geschichte des Wählens in den Vereinigten Staaten ein.

In Celia Cussens „Black Saint of the Americas: the life and afterlife of Martin de Porres“ (2014) las ich, dass es gewichtige Gründe dafür gibt, diesen wichtigen Heiligen des Dominikanerordens unter die Laien des Ordens und nicht unter die Brüder zu zählen.

Wolfgang Schivelbusch ist in „Die Kultur der Niederlage“ (2001) der Meinung, dass Länder, die in einem Krieg unterliegen, unter Umständen als Gesellschaft einen kreativen Umgang mit dieser Niederlage zu finden.

Über Politik wird in allen möglichen Tonarten und Begrifflichkeiten, mit unterschiedlichen Intentionen und Interessen gesprochen. Wichtig aber ist: Politik ist eine Aktivität. Sie ist veränderbar und gestaltbar. Das ist das Thema von Kari Palonens „The Struggle with Time. A Conceptual History of ‚Politics‘ as an Activity“ (2014).

Europa wurde geprägt von Akteuren dreier Religionen: „Christen, Juden, Muselmanen. Die Erben der Antike und der Aufstieg des Abendlandes 300 bis 1400 n. Chr.„. Das ist in dem gleichnamigen Buch von Michael Borgolte aus dem Jahre 2006 nachzulesen.

U.v.a.m. … .

Welches historische Buch, welcher geschichtliche Text hat Ihnen auf die Sprünge geholfen?

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Was mich Bücher über Geschichte Neues gelehrt haben!

  1. Bücher über Afrika: „Ke Bona Leseli I have seen the light“ über Lesotho,
    dann die Homepage http://www.maropeng.co.za über die Geschichte der homo sapiens die sich von den Sterkfontein Caves aus über die ganze Welt verbreitet haben.
    Außerdem sind Bücher nicht immer vorhanden über die Kolonialgeschichte Afrikas, die jetzt offensichtlich wird beim Zorn auf Statuen. Ich habe die Schreckensherrschaft Belgiens im Kongo erst erfahren in einem Dialog mit dem Botschaften von Jordanien(!). Suche in Wikipedia! dort gibt es auch links zu den Referenzen die du nachsehen kannst und eventuell Bücher. Zu Deutschland empfehle ich „Regensburg, Stadt aus zwei Jahrtausenden“ und europäische Geschichte: „Karl V. Herrscher zwischen den Zeiten“ von der Historikerin Sigrid Maria Grössing.

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