Vom Sinn des Lebens. Und von der Zweckfreiheit des Spiels.

In 5 Milliarden Jahren wird die Erde von der Kraft einer dann aufgeblähten Sonne verglühen. So prophezeien es die Astronomen. Ich frage mich: Was macht angesichts dieses – zugegebenermaßen – langfristigen Szenarios bleibenden Sinn? Oder etwas näher und dringlicher: In Zeiten von immer bedrohlicheren Sommerdürren, Sturzfluten und Artensterben: Welchen Sinn macht es, dass ich mich jeden Tag im Büro mit Kostenstellen, Aktenplänen und Projektskizzen herumschlage?

Was macht Sinn? Was trägt? Hinein in die Kluft der Zweifel und der Ängste? Und vielleicht auch über diese Kluft hinweg?

Erwartbar wäre nun an dieser Stelle die Antwort: Der Glaube an Gott macht Sinn. Das ist mir aber zu abstrakt. Ein Glaube an Gott musste schon für alles Mögliche herhalten, für allen möglichen Un-Sinn. Nur dort, wo dieser Glaube an Gott konkret wird in Handlungen und Haltungen, kann man seinen Sinn ertasten. Nur dort, wo dieser Glaube Menschen bewegt und deren Terminkalender bestimmt, ist er eine „Kraft Gottes zur Rettung für jeden, der glaubt“ (Röm. 1, 16). Das ist die Dynamik des Glaubens.

Wie wirkt diese Kraft? Wie macht sich dieser Sinn bemerkbar? Ein Beispiel aus dem alltäglichen Leben möchte ich geben: das Spiel. Ich spiele gerne mit meinen Kindern. Brettspiele, Ballspiele, Verstecken, Seilhüpfen, Turnen an der Stange. Im Spiel sind die Kinder und bin auch ich ganz gegenwärtig. Man könnte sagen: Wir sind im Spiel „eigentlich“. Irgendwann scheinen wir erwachsenen Menschen die Freude am Spielen zu verlieren. Wir stehen auf Spielplätzen dann wie die Ölgötzen herum, am liebsten mit einem Telefon in der Hand.

Stören wir uns vielleicht an der bloßen Zweckfreiheit des Spiels der Kinder? Wer beim Spielen genau hinschaut, der merkt: Die Zweckfreiheit erfüllt das Spiel erst mit Kraft, mit Sinn. Das Spiel, vor allem das gemeinsame Spiel lockt Lachen hervor, bringt geteilte Erfahrungen von Sieg und Niederlage zur Welt. Das Spiel macht Sinn, gerade wegen der Abwesenheit verbissener Ernsthaftigkeit. Das Spiel macht glücklich. Es heilt Wunden.

Genau dafür sind wir nach alter geistlicher Weisheit auf der Erde: Um des Glückes und des Heiles willen. Lasst uns also mehr spielen. Das macht Sinn.

 

Dieser Text ist Teil einer Serie von Radioandachten, die vom 11. bis 15. Juni vom Norddeutschen Rundfunk ausgestrahlt werden. Den vollständigen Text und einen Mitschnitt der Andachten finden sich unter www.radiokirche.de .

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2 Gedanken zu “Vom Sinn des Lebens. Und von der Zweckfreiheit des Spiels.

  1. Der Sinn des Lebens ist Freude, aber eben nicht auf kosten anderer. Kohelet fasst zusammen: „Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein, denn was du tust hat Gott längst festgesetzt. Mit einer Frau die du liebst, geniess das Leben alle Tage deines Lebens im Windhauch……“
    Freudiges Spiel ist Gottes Wille. Windhauch ist etwas Gutes, besonders im Sommer…
    a die Erde wird bereits in ca. 500 Mio Jahren unbewohnbar werden, weil es zu heiss sein wird.
    Dieses Universum wird ebenfalls vergehen, nicht nur unsere Sonne. Eine befristete Schöpfung. Sagen Kosmologen, aber auch im Buch Noah, wird Saat und Ernte, Sommer und Winter nur währen „alle Tage der Erde“. Wenn ich einen Schöpfer denken kann, der vorher und nachher da ist (sagen die Rabbiner, kath. Theologen sagen das leider nicht) dann ist jede neue Schöpfung möglich.

    • Wenn ich annehme, dass Gott ewig ist – was ich tue – ,dann ist Gott nicht abhängig von der Existenz des Alls, oder, was wir Seine Schöpfung nennen. Ich denke, wir müssen grundsätzlich etwas kosmologische Theologie betreiben. BC

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