„Extinction rebels“ – Analogien von Klima und Kirche

Die sogenannten „extinction rebels“ haben in den letzten Wochen als radikale Klimaaktivisten auf sich aufmerksam gemacht. Mit Aktionen des zivilen Ungehorsam möchten die Rebellen die Dringlichkeit an die Wurzeln gehender Maßnahmen zum Schutz des Klimas – und damit zum Überleben der Artenvielfalt einschließlich des Menschen – unterstreichen. Den Rebellen geht die Geduld aus. Und die Vorhersagen, was den Klimawandel und dessen Folgen anbelangt – vor allem jene der pessimistischeren Ausprägung – scheinen ihnen recht zu geben. Radikale Maßnahmen legen sich nahe. Parlamentarische Entschließungen zum sog. Klimanotstand, wie sie das britische Parlament vor wenigen Tagen beschloss, sind für’s erste rhetorische Spielzüge. Die Radikalität der Rebellen fordert da ganz andere Taten.

Rhetorische Spielzüge kennt man auch in den Kirchen gut. Pastorale Floskeln sind solche Spielzüge oder auch die rhetorische Trennung von kirchlicher Struktur und kirchlichen Glaubens. Die Fakten kennt man in der Kirche ebenso gut. Eine neue Studie belegt wieder einmal beeindruckend, was auf die Kirchen (evangelisch und katholisch) in Deutschland in den nächsten Jahren zukommt, wenn sie nicht den Mut zu einem radikalen Umbau haben. Den Kirchen droht quasi das Aussterben auf dem Weg des Mitglieder- und damit auch Finanzverlusts. Erstaunlich ist, dass dieser Verlust offenbar nicht demografisch begründet wird, womit er kaum beeinflussbar wäre. Der Mitgliederverlust, so schreibt die Studie, hängt eher mit den eigenen Schwächen zusammen: kirchliche Skandale tragen dazu bei, Entfremdung u.a. wegen des eklatanten Mangels an Personal und des, nennen wir es einmal, fehlenden Qualitätsmanagement. All dies wird von den Kirchen offen eingestanden.

Eine weitere Analogie zur Klimadebatte: Die Fakten haben bislang niemand mit kleinem und großem Einfluss dazu bewegt, das eigene Tun und Lassen in jeder Hinsicht in Frage zu stellen. „Auf die Welt zugehen“ heißt es bei den Kirchen – und die Kirchentüren bleiben unter der Woche fest verschlossen. „Erneuerung“ wird gerufen und nicht einmal die Kommunion unter beiderlei Gestalt kann sich in der katholischen Kirche durchsetzen. Die „Option für die Armen“  wird viel zitiert und trotzdem werden Kirche und Caritas/Diakonie begrifflich und praktisch weiterhin als getrennte Entitäten verstanden. Weitere Beispiele fehlender Konsequenz beim Handeln kann jeder Kundige – in Klima und Kirche – leicht identifizieren.

Wie bei der Klimapolitik könnte man also analog sagen: Die Haltung stimmt einfach nicht. Bequemlichkeit herrscht vor. Die Radikalität der Umkehr fehlt. Und so liegt die Versuchung nahe, eine weitere Analogie zu versuchen: Wie verhält es sich mit der Möglichkeit einer kirchlichen „extinction rebellion“? Keine Ahnung, welche konkrete Formen der zivile Ungehorsam einer Rebellion in den Kirchen annehmen würde. Keine Ahnung, ob man als Rebell des Aussterbens nicht sogleich in die rhetorische Falle einer abgenutzten Apokalyptik tappen würde. Das Empfinden eines kairos, eines Augenblicks der Entscheidung ist aus Sicht der radikalen Rebellen jedenfalls übermächtig. Beim Klima und – hier endet wohl die Analogie – noch nicht so recht bei den Kirchen.

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3 Gedanken zu “„Extinction rebels“ – Analogien von Klima und Kirche

  1. Eigentlich wäre es ganz einfach. Hören was die Leute sagen und ernst nehmen.
    Kirche die nicht drüber regiert, sondern für die realen Menschen mit realen Bedingungen nicht für ein erfundenes Paradies. Klimawandel ist komplizierter. Hören auf die Wissenschaftler und die Technologien die möglich sind, in den jeweiligen Ländern, nicht überall ist alles möglich. Und erst dann auf die Strasse gehen.

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