Aufräumen

Vor einigen Jahren hieß es an dieser Stelle „leichter werden„. Heute greife ich aus Anlass des Beginns der Fastenzeit eine scheinbar modische Zeiterscheinung auf: das Aufräumen.

Die mediale Präsenz der Japanerin Marie Kondo hat das Aufräumen in jüngerer Zeit zu einer fast schon spirituellen Praxis erhoben. Oder vielleicht besser: Die reinigende Wirkung des Aufräumens wird neu entdeckt: Äußerlich werden die Dinge durch das Aufräumen übersichtlicher, klarer und leicht aufzufinden. Und innerlich stellt sich, folgt man Kondo, so etwas wie Glück ein.

Nicht nur die Anschaffung und Erschaffung neuer Dinge macht also Freude . Wenn es zuviel der Dinge in unserem Leben geworden sind, macht auch eine neue gewonnene Übersicht glücklich. Aufräumen als detox. Das ist meist der Fall, aber nicht immer, hat mich doch die Tage mein Kind mit der Bemerkung irritiert, wie schön gemütlich es doch in ihrem unordentlichen Zimmer gewesen sei. Die Äußerung kam, nachdem wir für einige Zeit gemeinsam das Kinderzimmer aufgeräumt hatten.

Das Aufräumen hängt eng  mit dem Wahren der Ordnung zusammen. Und so wie es – nicht zuletzt auch politisch – ein Zuviel der Ordnung gibt, so kann es durchaus auch ein Zuviel des Aufräumens geben. Wer politisch „aufräumen“ möchte, hat dann auch meist nichts Gutes im Sinn.

Doch zu Beginn der Fastenzeit ist für mich der andere, der Gedanke wichtig: Ich möchte hier und da etwas Aufräumen. Ich möchte mein Leben etwas übersichtlicher gestalten. Ich möchte mich wieder neu zurechtfinden in meinem Leben. Das Zuviel und Überbordernde in meinem Leben soll herunter gefahren werden. Bei dem Weniger möchte ich glücklich landen.

Nicht zuletzt gibt einem das Aufräumen auch die Gelegenheit, verloren Geglaubtes wieder zu entdecken. So wie mein Kind: Unsere gemeinsame Ordnungsaktion brachte ein vielgeliebtes Kuscheltier wieder zum Vorschein. So falsch kann unser Aufräumen doch nicht gewesen sein.

Viel Spaß also beim Aufräumen, Übersicht gewinnen, Fasten.

 

Ich werde mich in den kommenden Wochen – bis Ostern – auf diesem Blog nur sporadisch zu Wort melden; wenn überhaupt. 

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