Flucht und Migration. Von der Vielfalt der normativen Ansätze und der Eindeutigkeit der biblischen Botschaft

In dieser Zeit der sogenannten Flüchtlingskrise die Orientierung zu bewahren, ist beileibe nicht einfach. Schwierig genug ist es, die Fakten beieinander zu halten: über geschichtliche Hintergründe, politische & wirtschaftliche Ursachen der Flucht bzw. Migration, regionale und globale Migrationsregime und die Verletzbarkeit des Einzelnen in diesen Regimen. Noch schwieriger wird es, wenn man sich anschickt, über diese Faktenlage hinaus zu gehen, um sich eine normative bzw. ethische Orientierung anzueignen. Wer nach einer solchen Orientierung sucht, gerät unweigerlich mitten hinein in eine aufgeheizte öffentliche Diskussion. In dieser Diskussion kleidet sich als Urteil, was sich beim näheren Hinsehen eher als Vorurteil erweist. Subjektives Empfinden sticht hier oft genug objektive Einschätzung aus. Die Sache wird dadurch noch erschwert, dass selten in ein und demselben Beitrag unterschiedliche normative Positionen in sachlicher Darstellung zum Zug kommen. Der eigene Ansatz gilt jeweils als alternativlos. So bleibt es einem jeden selbst überlassen, nach einer möglichst ausgeglichenen Orientierung zu suchen, auf der man dann das eigene Urteil aufbauen kann.

Zu dieser Orientierung möchte dieser Essay einen kleinen Beitrag leisten. Dies soll dadurch geschehen, dass einige wissenschaftliche Antwortmöglichkeiten bezogen auf die Themen Flucht und Migration vorgestellt werden. Dabei konzentriere ich mich auf einige grundlegenden normativen bzw. ethischen Fragestellungen innerhalb der Thematik. Ein besonderes Anliegen ist es mir aufzuzeigen, dass die Vielfalt der wissenschaftlich argumentierenden normativen Positionen an sich schon ein Gewinn ist. Es kommt also gar nicht darauf an, dass in der wissenschaftlichen Community Einheitlichkeit hinsichtlich begrifflicher Definitionen, ethischer Leitlinien und normativer Bewertungen herrscht. Auch ohne diese Einheitlichkeit – oder gerade wegen des Mangels an Einheitlichkeit – bietet sich der interessierten Leserschaft eine Fülle an Informationsmöglichkeiten zur eigenen Orientierung. Denn so, wie es den einen intellektuellen Zugang zum Durchdringen dieser Fragen nicht gibt, so gibt es auch nicht den einen politischen und sozialen Königsweg im Umgang mit Flucht und Migration. Diese Einsicht stellt gerade auch für Akteure mit hohen ethischen Ansprüchen, wie z.B. die Kirchen, eine Herausforderung dar. Die Einsicht ist aber notwendig, um dem Zwang einer gefühlten Alternativlosigkeit zu entkommen. Auf der Basis der Einsicht in die mögliche normative Vielfalt kann sich dann seitens kirchlicher Akteure auch eine bewusste normative Orientierung  und, damit verbunden, eine entschiedene „Option für Flüchtlinge“ heraus schälen.

Ich beginne im Folgenden mit einem kurzen Loblied auf den Wert eines historisch informierten Zugangs zur Thematik von Flucht und Migration. Es folgen Abschnitte zu den Konzepten Solidarität und Gastfreundschaft und eine Rückfrage nach der möglichen „Grenze“ solcher Konzepte. Der Essay endet mit einem Blick auf die biblische Botschaft, die für kirchliche Akteure normativer Imperativ des Handelns ist. Diese Akteure können unter der Vielfalt der möglichen normativen Zugängen eben nicht willkürlich auswählen, sondern müssen sich messen lassen: an einem bestimmten Ethos.

(…)

Der Volltext dieses Artikels findet sich in der Zeitschrift „Lebendiges Zeugnis„, 72. Jahrgang, Nr. 1, März 2017, S. 43-52.

Der zitierfähige Volltext kann bei Interesse beim Autor angefragt werden.

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