Flucht und Aufnahme in Großbritannien – Zitate eines historischen Textes von Daniel Defoe

In der Ausgabe 2/2016 der Zeitschrift Sinn und Form ist ein Text von Daniel Defoe unter dem Titel „Kurze Geschichte der pfälzischen Flüchtlinge“ zu finden. Defoes Text stammt aus dem Jahr 1709. Damals waren mehrere tausend Flüchtlinge aus Südwestdeutschland in England angekommen. Die Öffentlichkeit war beunruhigt; Defoe antwortete mit seinem Text auf diese Unruhe.

Im folgenden werde ich einige Passagen aus Defoes Text in der Übersetzung von Heide Lipecky zitieren, wie sie in Sinn und Form abgedruckt wurde. Ich bin der Meinung, dass diese Textauszüge so vielsagend sind, dass sie am besten für sich selbst stehen. Einer weitere Kommentierung enthalte ich mich daher. Nur eines: historia magistra vitae. Und ein gegenläufig zweites: Vergleichen ist das Ende des Glücks.

Die Zitate:

„Und sollen alle, die diese Pflicht versäumen, ernstlich bedenken, daß beim Jüngsten Gericht unser Erlöser besonders darauf achten wird, ob, als er hungrig gewesen, sie ihn gespeist haben, als er durstig gewesen, sie ihn getränkt haben, als er ein Gast gewesen, sie ihn beherbergt haben, als er nackt gewesen, sie ihn bekleidet haben, als er krank gewesen, sie ihn besucht haben, als er gefangen gewesen, sie zu ihm gekommen sind, und was sie dem geringsten seiner Brüder getan haben, das wird er ansehen, als hätten sie es ihm getan, und jegliches Versäumnis hart bestrafen.“ (174)

„Abermals, Sir, ersuche ich Sie, in Betracht zu ziehen, daß nichts so anmaßend und verfehlt ist, wie Beschwerden gegen die Aufnahme von Ausländern; denn in Wahrheit ist unser England nicht zur Hälfte peupliert, Irland gar nur zu einem Viertel, Schottland noch weniger, und unsere Kolonien sind fast schon Wüsten.“ (178)

„Der Handel und Scharen von Menschen sind der wahre Reichtum und die Stärke eines Landes, und je volkreicher, desto mehr Handel, und je mehr Handel, desto volkreicher, und mehr von beidem muß notwendig Reichtümer erzeugen. (…) Und nun, Sir, in der Hoffnung, hinlänglich bewiesen zu haben, daß Scharen von Menschen Stärke und Reichtum der Nation sind und daß die Aufnahme von Ausländern diesem Königreich nützt und dem ärmeren Teil unserer Einheimischen nicht schadet … .“ (179-180)

„Auf diese Weise würde bereits in dem Moment, in dem sie (die Flüchtlinge, BC) so beschäftigt werden, fast die gesamte Summe für ihren Unterhalt entfallen, eine Stadt gegen den Winter gebaut und der Untugend des Müßiggangs, neben anderen Unannehmlichkeiten, vorgebeugt.“ (195)

„Denn das letzte, was Menschen täten, wäre, ihre geliebte Heimatscholle zu verlassen; und (zu dieser Zeit der Welt) werden dieses vermutlich nicht viele Familien leichtfertig tun.“ (198)

 

 

 

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