Katholisch bloggen

Vor einigen Tagen erhielt ich folgende Nachricht:

Soeben in die Kath. Bloggerliste aufgenommen. Herzlich willkommen! http://www.bloggerliste.blogspot.de

So. Nun gehöre ich offenbar zu den katholischen Bloggern. Was auch immer einer darunter verstehen mag: Blogger, die das Kirchensteuermerkmal „rk“ auf der Lohnsteuerkarte haben? Blogger, die dem Papst jedes Wort vom Munde ablesen? Alternativ: Blogger, die sich an den Äußerungen des Papstes abarbeiten? Blogger mit Vorlieben für „smells & bells“? Blogger mit spiritueller Tiefe und/oder katholischer – im eigentlichen Sinne des Wortes – Weite? Oder einfach nur regelmäßige Messbesucher, die sich gelegentlich einmal mit ein oder zwei Gedanken im Netz verewigen?

Ich schreibe diesen Blog als Laiendominikaner. Für gewöhnlich sind Laiendominikaner katholisch. Das Schild um meine Blogger-Brust trägt aber bewusst – neben der Ideengeschichte – ein dominikanisches Signum und nicht zuerst ein katholisches. Für mich macht das mein Blogger-Dasein konkreter, handfester, zupackender. (Laien-) Dominikaner stehen für eine bestimmte Spiritualität, Tradition, Geschichte, Weltsicht. Katholiken nicht unbedingt. Auch wird in der katholischen Kirche gerne darum gestritten, welcher Flügel denn nun im eigentlichen, wesentlichen, wirklichen, wahrhaftigen Sinne katholisch ist. Dominikaner kennen diesen Streit meines Wissens nach nicht. Auf ihn möchte ich mich auch nicht einlassen.

Natürlich finden sich „katholische“ Elemente in meinem Blog: Ich schreibe über das Naturrecht. Ich schreibe über die Enzyklika des Papstes. Ich nutze Quellen aus der Geschichte des katholischen Denkens. „Katholisch“ bedeutet für mich aber vor allem eines: „sakramental“. Katholisch bloggen heißt also, bloggen in dem Wissen, dass in meinem Blick auf die Welt der Geist in den konkreten Dingen alltäglich wird. Ich blogge also in dem Wissen, dass nicht nur ab und an etwas Spirituelles Einzug hält in mein Leben und Werk. Der Geist hält vielmehr beständig Audienz im Königtum meines Alltags. Mein Denken und Handeln sind (idealtypisch gesprochen) mögliche Präsenzorte von Geist, virtuell und analog. Auch die Ideengeschichte ist ein solcher Ort.

Anderen „katholischen“ Bloggern diesen Geist abzusprechen, steht mir nicht zu. Überhaupt: Anderen Bloggern – katholisch oder nicht – zu unterstellen, sie wären nicht daran interessiert, in ihrem virtuellen Werk etwas Höheres, Meta-Physisches durchscheinen zu lassen, widerstrebt mir. Die Blog-Welt zeigt mir jedenfalls, wie vielfältig die Anliegen sind; wie zahlreich die Weltsichten; wie verschieden die Gesänge klingen, die von der Suche nach Wahrheit erzählen. Das ist so für die Welt der katholischen Blogger. Das ist aber auch so für viele andere, die im virtuellen Äther ihre kleine spirituelle und intellektuelle (beides gehört für Dominikaner zusammen) Nische suchen und finden.

Trotzdem würde ich mir von den katholischen Bloggern wünschen, sie würden etwas mehr nach außen schauen. Viele katholische Blogs machen einen introvertierten Eindruck. Sie beschäftigen sich vorrangig mit kirchlichen Themen. Sie erheben gar nicht erst den Anspruch, für den nicht katholischen Rest der Welt von Interesse zu sein. Doch „katholisch“ heißt gerade, sich die Weite zu eigen machen, ein Wagnis in der Ferne einzugehen und dieser gewagten Weite mit einer spezifischen – in meiner Zuspitzung: sakramentalen – Weltsicht zu begegnen.

Wenn dies dem einen oder anderen wieder zu kirchlich und zu vergeistlicht klingt, dem muss ich an dieser Stelle dann recht geben. Aber ich vollbringe hier ja auch nur eine Übung der reflexiven Selbstverständigung. Was wiederum das alltägliche Geschäft von zahllosen (katholischen und nicht-katholischen) Bloggern ist.

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2 Gedanken zu “Katholisch bloggen

  1. Werter Rotsinn,
    ich persönlich bin sehr froh darüber, daß es noch ein paar Menschen gibt, die sich noch über Fragen der – lassen sich es mich in einem Bilde ausdrücken – „kirchlichen Inneneinrichtung“ kümmern und nicht dauernd „in den Fenstern zur Welt hängen“. Vielleicht verstehe ich ja Ihren Wunsch deutlich miß, aber es klingt für mich ein wenig so, als ob Sie hier einen „Optimierungsbedarf“ postulieren. Die Frage ist, warum sollte ein katholischer Blogger das tun? Was wäre damit gewonnen oder besser, außer daß Ihrer Wunschvorstellung entsprochen wäre? Jeder schreibt in seinem Blog, wann er kann, was er kann, was ihn interessiert, was ihn bewegt. Das „Angebot“ ist vielfältig. Hier schreibt jemand hauptsächlich über seine zerrüttete Pfarrei. Das ist traurig wie lehrreich. Da schreibt ein anderer über Kirchbau und Liturgie, Dort werden Nachrichten aus der Kirche gesichtet und kommentiert. Da gibts Musik, woanders Literatur, Heiligenbildchen, Humor, Satire, Rosenkranzwerkstätten, etc. Ich persönlich schreibe auch mal irgendeinen Blödsinn, stelle Videos ein oder meine Philippika. Und immer wieder und überall immer neu die Anregung zum Gebet, die Vertiefung der Frömmigkeit, die Bitten um das Gebet. Ich halte das alles nicht für eine Verengung der Sicht sondern eher für eine innerkirchliche Weitung des Blickes auf die vielen Schätze unserer Kirche in der sonst vorherrschenden Tristesse. Das pralle katholische Leben, so prall wie manches Engelchen bei Alipius in allen Schattierungen, Tiefen und Untiefen und manchmal so schön und vollendet wie eine gotische Kathedrale.
    Eine Frage hätte ich dann noch:
    Ich weiß, Dominikaner pflegen eine eigene Frömmigkeit, ebenso wie OSB, OFM, SJ etc. Bei den Dominikanern ging das ja bis in Besonderheiten bei der Gabenbereitung der Messe. Alles wunderbar und Ausdruck der Katholizität der Una Sancta. Das mit dem „sakramental“ wäre sicherlich noch eine eigene Betrachtung wert. Sie machen im zweiten Absatz einen Unterschied zwischen „dominikanisch“ und „katholisch“, bei der mir auch nach mehrmaligem Lesen nicht der Eindruck genommen werden konnte, als wenn „dominikanisch“ etwas sei, was nicht deckungsgleich mit „katholisch“ sei, „dominikanisch“ ein Sondergut transportierte, das in „katholisch“ nicht eingeschlossen sei. Das klingt – mit Verlaub – nach Häresie, wenn ich mir diese Schärfe einmal herausnehmen darf, um die Mißverständlichkeit herauszustreichen.
    Seien Sie also herzlich willkommen und bereichern Sie die Welt des katholischen Bloggens mit Ihrer spezifisch dominikanischen Sicht!

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar!
      1. Die Vielfalt der „katholischen“ Blogs ist groß, was ich schön finde. Vielleicht sollte man meinen Einwurf als eine Art pauschalisierte Mahnung lesen: als Katholik und Blogger sich gut überlegen, was für einen Beitrag man denn leisten möchte. Und ob es hier und da nicht ein bisschen thematisch „extrovertierter“ (andere würden sagen: „missionarischer“) geht.
      2. (Laien-)Dominikaner besitzen ein Sondergut, wie alle (Orden-)Spiritualitäten. Als solche sind sie Teil des breiten Stroms katholischen Glaubens, Lebens und Denkens.

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