Dominikanische „Predigt“ im Netz

Folgender Text ist soeben erschienen in „kontakt – Freundesgabe der Dominikaner der Provinz Teutonia“ (2014). Die Leserinnen und Leser dieser Zeitschrift sind Mitglieder und Freunde der Dominikaner in Deutschland.

 

Welchen Dienst der Verkündigung kann ich – Laiendominikaner, Ehemann, Vater zweier Kinder, Arbeitnehmer, Eigentümer von Haus und Garten – sinnvoller Weise tun? Diese Frage stellte ich mir vor einigen Jahren, angeregt durch einen Besuch des damaligen Generalpromotors der Laien, fr. David Kammler, in Hamburg.

Verschiedene Erwägungen spielten bei meinen ersten Überlegungen eine Rolle: Ich wollte einen Verkündigungsdienst ausüben, der – v.a. in Bezug auf die Zeiten – möglichst familienfreundlich ist. Der Dienst sollte zudem meinen eigenen Ansprüchen von Reflexion und wissenschaftlicher Seriosität genügen. Er sollte ebenso deutlich von meiner Verwurzelung im Orden der Prediger Zeugnis ablegen, aber auch offen sein für den Dialog mit Menschen außerhalb des Ordens und der Kirche. Und der Dienst sollte sich bewusst mit Fragen von Wahrheit und Sinn auseinandersetzen.

Eine lange Liste! Doch letztlich fand ich einen (mehr oder minder) passgenauen Dienst: die Verkündigung im Netz in Form eines Blogs, eine Art Tagebuch im Internet. Diese Art von Verkündigung lässt sich jederzeit von zu Hause aus erledigen; sie kann – je nach eingestelltem Inhalt – auch eine kirchenferne Leserschaft erreichen und sie lässt sich durchaus auch wissenschaftlich-reflexiv gestalten.

Ich entschloss mich also einen Blog zu schreiben. Dieses Blog trägt den Titel „Rotsinn“ und den Untertitel „Das ideengeschichtliche Blog eines Laiendominikaners“ und ist seit April 2012 am Start (www.rotsinn.wordpress.com). Die Arbeit an dem Blog macht mir Spaß, meinen Leserinnen und Lesern hoffentlich Freude und hält mich wach, da ich stets nach interessanten Themen Ausschau halten muss. Diese Themen legen mein eigenes wissenschaftliches Interesse offen und eignen sich, so mein Anliegen, auch zum Dialog mit anderen Menschen.

Seitdem ich selbst meinen kleinen Beitrag zur Verkündigung im Netz leiste, schaue ich mir bewusst auch weitere virtuelle Angebote an: andere Blogs, Beiträge in den sozialen Netzwerken (z.B. Twitter), Netzseiten. Selbstverständlich achte ich besonders auf Angebote von Predigerbrüdern und –schwestern, besonders auch aus den Laiengemeinschaften.

Im englisch- und französischsprachigen Raum gibt es, im Vergleich zum deutschsprachigen Raum, sehr viele Angebote: einzelne Gemeinschaften stellen sich vor; wissenschaftliche Institutionen präsentieren ihre Arbeit; individuelle Brüder, Schwestern und Laien treten mit ihrem Anliegen an die virtuelle Öffentlichkeit. Es gibt Seiten mit Sammlungen von Predigten, Plattformen für kirchliche Neuigkeiten aller Art, offizielle Seiten von Provinzen und der Ordenskurie in Rom (www.op.org) und die Präsenz von Individuen und Gemeinschaften in den sozialen Netzwerken.

Mir fällt auf, dass die meisten Angebote dezidiert geistlicher Art sind: Meditationen zu Festtagen im Kirchenjahr, Berichte von Einkehrtagen, Vorträgen oder theologischen Kongressen, Betrachtungen über die Heilige Schrift. Solche und andere Angebote sprechen Menschen an, die schon kirchlich geprägt sind oder ein ausgesprochen Interesse an spirituellen Fragen haben. Dabei ist ebenfalls selbstverständlich, dass Dominikaner vor allem dominikanische Themen besetzen. Die Kommunikation im Netz dient also auch einer Selbstverständigung innerhalb des Ordens und einer Positionierung innerhalb der weltweiten Kirche. Die eingestellten Inhalte sind oft von hoher Qualität, spirituell und theologisch, in der sprachlichen Gestalt und der graphischen Aufarbeitung. Auch behandeln sie andere Meinungen und Weltanschauungen nicht abschätzig, ein im virtuellen Raum nicht zu unterschätzendes Markenzeichen.

Die Konzentration auf ausgesprochen kirchliche Inhalte hat aber auch zur Folge, dass der Dialog mit Anders- oder Nichtgläubigen wenig stattfindet. Dieser Dialog wird nicht dezidiert abgelehnt, durch die Themensetzung der virtuellen Angebote aber auch nicht wirklich möglich gemacht. Dabei bietet die Tradition unseres Ordens ein reiches Arsenal an Themen und Fragestellungen an, die für ein weites Publikum interessant sind.

Zwischen der Verkündigung unseres Ordens und den Menschen mit anderen Wertvorstellungen und Weltbildern sind Brücken notwendig. Deshalb würde ich es mir wünschen, wenn wir uns mehr an die „Ränder“ (Papst Franziskus) wagen. Dorthin, wo Pionierarbeit zu leisten ist und wir gezwungen sind, eigene Sicherheiten fahren zu lassen. Das Internet bietet hier einen wichtigen, aber auch herausfordernden Ort der Verkündigung, gerade für dominikanische Laien.

 

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