Über Laien 1: Die unterschiedlichen Weisen des Laientums

In einem kurzen Beitrag auf seinem Blog hinterfragt Bernd Hagenkord SJ den Sinn des Wortes „Laien“. Ich zitiere aus dem zweiten Teil des Beitrags, der unter dem Titel Wortumdrehung erschienen ist:

„Das Wort ‚Laien‘ wie wir es in der Kirche benutzen, hat einen völlig anderen Sinn als das Wort, wie wir es in der normalen, deutschen Umgangssprache benutzen. Laie bedeutet hier unwissend, Amateur. Und genau das sollen die Mitglieder des Rates nicht sein. 〈Es ist die  Rede vom neu etablierten „Segreteria di Economia“ des Hl. Stuhls.〉 Es wird Zeit, sich nach einer neuen Unterscheidung umzusehen, die alte trägt nicht mehr . Ich gebe zu: Ich habe keine Lösung. Mit dem Gedankenspiel laufe ich schon länger herum, allein, ohne Erfolg. Hat jemand eine Lösung dafür, wie man über Kleriker und Nichtkleriker sprechen kann, ohne die Zweiteren negativ als „nicht“ Kleriker zu bezeichnen oder einen obsoleten Begriff, nämlich „Laien“, zu benutzen? Ich freue mich über alle Vorschläge.“

Ich werde Bernd Hagenkord leider nicht helfen können. Aber ich kann an dieser Stelle (und im nachfolgenden Beitrag) vielleicht ausführen, weshalb ihm kaum zu helfen ist, wenn wir nicht eine Grundunterscheidung des geistlichen Denkens – jene von Kirche und Welt – gänzlich aus dem Weg räumen. Doch ich beginne am Anfang.

In der deutschen Alltagssprache – so deutet es auch Bernd Hagenkord an – ist ein Laie eine Person, die in einem bestimmten Bereich wenig Kenntnisse besitzt. Während ich auf dem einen Gebiet – z.B. dem Handwerk – ein Laie sein mag, bin ich es auf einem anderen Gebiet – z.B. der Gärtnerei – nicht unbedingt. Laie sein geht einher mit Nichtwissen in einem bestimmten Sachgebiet. Man ist nicht ein Laie an sich, auch wenn die Tatsache, dass man auf einem bestimmten Wissens- und Fertigkeitsgebiet (z.B. in der Gärtnerei) nicht Laie ist, nicht unbedingt heißt, dass man damit zum Profi wird. Dabei kann der Begriff des Laien sowohl neutral als auch abschätzig verwendet werden. Ein positiver Gebrauch ist in diesem Zusammenhang aber nicht möglich.

Verfolgen wir die Sache weiter, nämlich in den Kommunikationsraum der Kirche hinein, dann verkompliziert sich die Lage. Im Raum der Kirche ist der Laie nicht jener, der in einem bestimmten Bereich nicht ausgebildet ist, sondern ein Laie ist jener, der nicht den Status eines Geistlichen besitzt. So führt es auch Bernd Hagenkord aus und kritisiert diese Definition ex negativo sogleich. Die Geistlichen sind in der römisch-katholischen Kirche Bischöfe, Priester und Diakone. Andere Konfessionen besitzen manchmal mehr oder auch weniger geistliche „Stände“. Ein Laie ist grundsätzlich jener, welcher nicht die für die Erringung der geistlichen Ständestufen notwendige Weihe besitzt, was aber in keiner Weise heißt, dass er theologisch ungebildet sein muss. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts hat die Zahl der nicht geweihten bzw. nicht ordinierten Theologinnen und Theologen beständig zugenommen. Im kirchlichen Kommunikationsraum bleiben diese Menschen aber weiterhin Laien. Kenntnis und Fertigkeit machen aus einem Laien keinen Geistlichen, dies tut nur die Weihe (zu deren Vorbedingung inzwischen auch ein gewisses Maß an Kenntnis und Fertigkeit gehört!). Im Kommunikationsraum der Kirche kann also von einem „Laien an sich“ gesprochen werden, da die gleiche Person nicht hier ein Laie sein kann und dort ein Profi, d.h. Geistlicher.

Damit gelangen wir aber nicht zum Schluss unserer Differenzierung. Innerhalb des kirchlichen Kommunikationsraum gibt es nämlich noch den ausdifferenzierten Kommunikationsraum der Orden. Die angeführte Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien trifft auch auf diese zu, da innerhalb der katholischen (Männer-)Orden sowohl geweihte als auch nicht-geweihte Personen zu finden sind. Manche Orden haben diese Unterscheidung in ihrem Mitgliederspektrum in der Vergangenheit stark unterstrichen. So war zum Beispiel bei den Zisterziensern über lange Zeit die Unterscheidung zwischen den Konversen  (sog. Laienbrüdern) und den Geistlichen üblich, wobei für die beiden Gruppierungen unterschiedliche Regeln der konkreten Lebensgestaltung innerhalb des ein und des selben Klosters galten.

Zusammengenommen sind diese beiden Gruppen aber noch einmal zu unterscheiden von den „Laien an sich“, die ebenfalls Teil eines Ordens sein können. Diese Laien sind Männer und Frauen, die sich entschlossen haben, ihr Ordensleben „innerhalb der Welt“ (diese Formulierung wird Thema des nächsten Beitrags sein) auszugestalten. So gibt es – um ein weiteres Beispiel  zu nennen – bei den Dominikanern die Brüder, heutzutage bestehend aus vielen Geistlichen und wenigen Nicht-Geistlichen. Es gibt bei den dominikanischen Frauen die aktiven Schwestern und die kontemplativen Nonnen.Und es gibt die dominikanischen Laien, welche früher summarisch als der Dritte Orden bezeichnet wurden. Das Wort Laie bezeichnet hier also nicht einen „Stand“ im Unterschied zum Geistlichen, sondern einen bestimmten Zweig innerhalb des Ordens. In diesem sind all jene zusammengefasst, welche formal in den Orden inkorporiert wurden, ohne dass ihnen die Möglichkeit genommen ist, eine Familie zu gründen, einen persönlichen Reichtum anzuhäufen und ihre Biografie auch nach dem Eintritt in den Orden nach eigenem Ermessen zu gestalten. Sie gleichen in ihrem äußeren Tun und Lassen „einem ganz normalen Menschen in der Welt“.

Fortsetzung folgt.

 

 

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Ein Gedanke zu “Über Laien 1: Die unterschiedlichen Weisen des Laientums

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