Was die Begriffsgeschichte noch erreichen will – ein Nachtrag

Im Nachgang zu meiner Kritik vom 2. Oktober möchte ich noch einige Zitate aus einem Interview mit Martin van Gelderen zitieren. Dieser hatte in einem Gespräch vom Dezember 2012 im Europäischen Hochschulinstitut in Florenz einige Bemerkungen gemacht, die meinen eigenen Beitrag gut ergänzen. Oder besser: Mein Beitrag ergänzt die Bemerkungen des mittlerweile ans Göttinger Lichtenberg-Kolleg umgezogenen Historikers. Das Interview findet sich in voller Länger unter: http://www.zeitenblicke.de/2013/1/Gelderen (Zugriff am 2. Oktober 2013).

Van Gelderen bestätigt, dass der politischen Begriffs- und Ideengeschichte ein kritischer Stachel innewohnt. Er formuliert es so: „The study of political thought was never art for art’s sake; history of political thought always aims at opening up historical perspectives that may have been forgotten and that could shed light on debates that we are involved in today.“ (§ 33) Vor diesem Hintergrund fordert van Gelderen die Historiker dazu auf, die politischen Debatten nicht zu scheuen. Er greift als Beispiel Diskussionen zur Identität Europas auf: „Today, I find it quintessential for intellectual historians to recover what other kind of European values have been constitutive for the current debates on Europe.“ (§38) Daraus folgert er: „I cannot imagine doing history of political thought without being engaged or taking an interest in current politics; I cannot imagine any kind of history that has no political ramifications.“ (§44)

Angesprochen auf die methodischen Debatten innerhalb der Begriffsgeschichte, wie ich sie in meinem Beitrag anhand des Sinnbegriffs aufgegriffen habe, ermutigt van Gelderen ausdrücklich zu solchen. Zum einen fordert er eine stärkere Verknüpfung mit der politischen Theorie (vgl. § 35). Zum anderen formuliert er in Bezug auf postmoderne Ansätze: „The postmodernists asked pertinent questions about crucial notions such as objectivity, truth and meaning; they widened the scope of the political and brought to our attention a much richer notion of culture. Postmodernism has raised a number of questions that historians have refused to engage with. I think that is a vital failure; to withdraw oneself from these methodological debates. Postmodernism, though, probably did not give many answers, it mainly raised questions. The challenge for your generation lies in this: more clashing, no more methodological stillness. Historians are way too happy withdrawing into their empirical canon.“ (§20)

Ich bin gespannt , auf welche Beiträge zum tieferen Sinn der Begriffs- und Ideengeschichte ich in Zukunft noch stoßen werde.

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Ein Gedanke zu “Was die Begriffsgeschichte noch erreichen will – ein Nachtrag

  1. Pingback: The Purpose of Conceptual History | Rotsinn

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