„Jeder Gedanke hat eine Adresse.“

„Jeder Gedanke hat eine Adresse.“

Ich lese diesen Satz im Zug. Er prägt sich mir sofort ein. Und es prägt sich mir auch der Ort ein, an dem ich ihn lese; der Klappstuhl, auf dem ich sitze, während ich über diese Wörter stolpere. Der Satz wird seine eigene Offenbarung.

„Jeder Gedanke hat eine Adresse.“ 

Der Satz stammt von Adam Zagajewski und findet sich in der aktuellen Ausgabe von „Sinn und Form“. Zagajewski berichtet darin von dem russischen Schriftsteller Wassili Rosanow. Dieser, so Zagajewski, „führte eine Tagebuch, in dem er seine Gedanken auf unterschiedlichste Weise kommentierte. (…) Auch hielt er fest, wo genau er einen bestimmten Gedanken hatte, zum Beispiel in einem Schuhladen. Jeder Gedanke hatte auf einmal eine Adresse.“ (Sinn und Form 4/2013, 512).

Der Satz erinnert mich einmal mehr an den banalen Zusammenhang zwischen unseren Worten, Gedanken und Ideen auf der einen Seite und den örtlichen und persönlichen Situationen auf der anderen Seite, in denen diese entstehen oder sich vielleicht auch offenbaren.

Jeder Gedanke hat eine Adresse. Ich frage mich: Hat jeder Gedanke auch einen Adressaten? Lernen wir Worte, Gedanken und Ideen nicht nur an bestimmten Orten, sondern auch im Hinblick auf jene, mit denen wir sie teilen wollen? Oder: Wieviel Sendungsbewußtsein steckt in unseren Denkübungen und unserem Ideenreichtum?

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Ein Gedanke zu “„Jeder Gedanke hat eine Adresse.“

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